Arnalyse

gewollt, gelernt, geplant

Der dermbacher Wald im Dezember

2015 war für mich ein fantastisches Jahr. Anders kann man das nicht sagen. Da kann man dann ja wenigstens mal zusammenschreiben, was man sich so vorgenommen hatte, was man – eben deswegen oder einfach so – gelernt und erlebt hat, und was man sich so vornimmt, für das neue Jahr.

gewollt

Für dieses Jahr waren die Wünsche recht beschaulich:

  1. mehr Comics
  2. ein neues Hobby
  3. mehr Achtsamkeit
  4. 12 mal bloggen

Geht eigentlich. Comics sind dieses Jahr gut dabei gewesen, siehe weiter unten. Ein neues Hobby hat es nicht gegeben, doch der Wunsch endlich Stricken zu lernen ist deutlich gewachsen. Die Achtsamkeit und Meditation haben auf jeden Fall ihre Rolle gespielt, wenn auch nicht genug. Dennoch war es eine Bereicherung.

Ich bin ich überglücklich, satte 8 Mal gebloggt zu haben. Das ist für meine Verhältnisse gigantomanisch. Manche Stücke mag ich vom Aufbau her noch sehr, bei manchen wundere ich mich, dass sie so einfach aus mir rauskamen, manche sind einfache Besprechungen liebgewonnener Comics und Bücher, und manche versuchen tolle Erlebnisse in einfache Worte zu hüllen. Über alles was ich schrob bin ich sehr glücklich, ebenso wie über jeden der es las.

gelernt

Dinge loslassen

In diesem Jahr fiel es mir leichter als je zuvor mich von Dingen zu trennen und von vielem loszulassen. Das war Butter für die Seele.

An vielen Ecken und Enden habe ich aussortieren können, vor allem im Kleiderschrank, aber auch anderswo. Das erstreckte sich dann – einmal angefangen – auch auf’s Digitale. 1000 ungelesene Instapaper Artikel wissen wovon ich rede.

Am Jahresende blieben zu Weihnachten dann auch kaum Dinge übrig, die ich mir hätte kaufen lassen wollen, und auch das war sehr erfrischend.

Comics entmaterialisieren

Für mich war 2015 das Jahr des unglaublichen Comic-Konsums. Wirklich. Was ich an Ausgaben verschlungen habe in der zweiten Jahreshälfte, erschrickt mich doch etwas – und das alles auf dem iPad.

Rückblickend ist mir noch nicht ganz klar warum es so lange gedauert hat, bis ich auch in Sachen Comics ins Digitale abgerutscht bin. Möglicher Grund könnte sein, dass ich erst ein hochaufgelöstes Tablet gebraucht habe und den Abschied vom materiellen Besitz der Comics akzeptieren lernen musste. Außerdem man kann sie endlich auch im Dunkeln lesen. Riesenvorteil, wirklich!

Als das gegeben war, sorgte die Erkenntnis, dass die Comics in digital und auf Englisch gerade mal die Hälfte der deutschen Ausgaben kosten, für gebrochenen Dämme im Kaufverhalten. Shut up an take my money! Da wurde ich schnell in einen nicht enden wollenden Strudel von Sprechblasen und bunten Bildern gerissen – und ich habe das soooooo genossen.

Mehr erleben

Irgendwo hatte ich 2014 gelesen, dass man eine Tendenz hat, sich lieber die neue Couch als den schönen Urlaub zu gönnen. Und dass das Schmu ist, weil man sich an materiellen Wohlstand schnell gewöhnt, während gemeinsame Erlebnisse als wohligwarme Erinnerungen zurück bleiben, von denen man noch lange zehrt.

Diese Maxime hatte ich das ganze Jahr über im Hinterkopf, während ich mich an ganz unterschiedlichen Orten rumtreiben durfte: ✈️ in Stockholm mit einem guten Freund, ✈️ in Amsterdam mit meiner Liebsten, ✈️ in Oxford auf der SmashingConf, ✈️ auf Kreta mit meiner kleinen Familie und ? in Berlin mit meinem Cousin. Rückblickend zaubert mir jede dieser Reisen ein Lächeln auf’s Gesicht.

geplant

An all das schließt sich wie selbstverständlich das für 2016 Gewünschte an:

  1. wieder bloggen, 12 mal oder so
  2. mir was stricken, mindestens eine Mütze
  3. sich Zeit nehmen statt sich treiben zu lassen

Auf jeden Fall freue ich mich auf dieses Jahr wie auf kein Jahr zuvor. Darauf, viel zu erleben und viel zu lernen. Voran!

The Martian

Die Region »Acidalia Planitia« auf dem Mars

Die Region »Acidalia Planitia« auf dem Mars

Den Marsianer habe ich im Urlaub gelesen. Am lebensfeindlich heißen Strand von Kreta verschlang ich die Geschichte über den lebensfeindlich kalten Mars, auf dem Astronaut Mark Watney ungeplanterweise festsitzt.

Alleine auf dem Mars, auf unbestimmte Zeit, mit Ausrustüng und Vorräten, die mehr so für 30 Tage sein sollten, ohne Kontakt zur NASA… 

I‘m pretty much fucked.
That‘s my considered opinion.
Fucked.

Doch so ausweglos die Lage für Mark Watney sein mag, so optimistisch ist sein Umgang mit der Situation, die er dem Leser in Form eines Logbuches zu Teil werden lässt. Dem ganzen Buch wohnt ein unabdingbarer Wille inne, es zu schaffen, mit viel Wissenschaft und ein wenig Glück.

They say no plan survives first contact with implementation.

Hachja,… Pläne. Autor Andy Weir legt seinem Protagonisten die nötige Portion Selbstironie in den Mund, und schafft so ein erfrischendes Gleichgewicht zwischen wissenschaftlichen Ausführungen, tristem Astronautenalltag und Plänen die schiefgehen (lies: Action).

I don‘t want to come off as arrogant here, but I‘m the best botanist on the planet.

Aus den wenigen Versatzstücken die »am Arsch auf‘m Mars« bietet, strickt Andy Weir eine enorm treibende Geschichte. Obwohl Weir selten die Erzählform des Logbuches verlässt, geht es stetig vorwärts. Das entwickelt einen ungemeinen Sog, weil man nicht weiß, was passieren kann, weil: Was soll auch schon passieren, mutterseelenallein auf diesem rostroten tristen Planeten?!?!

So technically, I colonized Mars. In your face, Neil Armstrong!


Alle Zitate stammen natürlich aus »The Martian« von Andy Weir. Das Foto der Nasa zeigt die Region auf dem Mars namens »Acidalia Planitia« in der diese Geschichte spielt | Image Credit: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

This crazy little Thing called Relaunch

It‘s Relaunch Time, Baby | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

It‘s Relaunch Time, Baby! | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Was dem Rockstar seine Welttournee, ist dem Webentwickler sein Relaunch: dauert gerne mal ein Jahr, macht man auch nicht öfter als alle fünf Jahre mal, und es sind immer durchweg aufregende Zeiten. Was ich damit sagen will: Die Website von ZEIT ONLINE erstrahlt seit gut einer Woche in neuem Glanz. Sie ist sowohl optisch wie auch technisch runderneuert, denn das gebietet der Zeitgeist mit seiner Mode ebenso wie der aufaufhaltsame technische Fortschritt.

Bei so einem Relaunch ist immer viel zuviel zu tun. Nicht nur ein Bisschen zuviel, mehr so: nachdem wir wochenlang 120% gegeben hatten, brachten wir es morgens am Pre-Launch-Wochenende noch immer auf mindestens sechs Wochen Verspätung.

Coden, coden, coden… | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Coden, coden, coden… | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Diese Zeit, wenn das Launch Datum feststeht, und man dorthin rudert, das sind für mich immer extrem komische Wochen. Ganz fertig werden ist durchweg illusorisch, da bin ich schon irgendwie Realist (und nicht das erste mal dabei). Trotzdem ist da die Neugier zu schauen, wieviel wir in dieser Zeit auf die Beine stelle können. Darum mal zu sehen was der Einzelne und das Team so schaffen können. Mal so richtig drin zu sein, im Flow. Und es geht auch ums Drumherum: der Galgenhumor, die Club Mate, die Insider, die schlechten Witze, und eine Prise Rockn’n’Roll Livestyle. Wir wurden sogar verdächtigt, in Wirklichkeit eine fette LAN-Party zu schmeißen — was dem Gefühl und Geisteszustand an einem Pre-Launch-Wochenende durchaus nahe kommt.

Die Wochenendresizenz | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Die Wochenendresizenz | Foto von Marco Kaiser unter CC BY-SA

Nach fast einem Jahr ist die Website dann fertig, dieses Ding, das man da allerfiligranst zusammengezimmert hat, das sich anfühlt wie das größte Puzzle, das man bisher lösen durfte. Doch bevor es nicht live war, waren es irgendwie nur Einzelteile. Doch dann, wenn die Artikel mit neuen Features gebaut und die Homepage mit echten Inhalten statt mit Katzenbildern bestückt in die Freiheit entlassen wird, dann fängt es richtig an zu leben, und man selbst begreift, was man da eigentlich zustande gebracht hat. Dass es sich gelohnt hat, über die Details zu diskutieren, und sich nicht mit Wischi-Waschi-Lösungen zufrieden gegeben zu haben.

Manchmal läuft es nicht so wie man sich das vorgestellt hat | Foto von Arne Seemann unter CC BY-SA

Manchmal läuft es nicht so wie man sich das vorgestellt hat | Foto von Arne Seemann unter CC BY-SA

„Live sein“ heißt nicht, dass die Website fertig ist, sondern nur, dass du es jetzt sein darfst.

Wenn dann der Launch nicht so glatt läuft wie man das gerne hätte, und man als Frontender leidend wartet, weil man zwar das Problem versteht, aber keinen Plan von einer möglichen Lösung hat, dann bleibt das Launch High aus und man rutscht direkt in die Post Launch Depression. Das ist bei uns ein geflügeltes Wort, diese Post Launch Depression, die mein Kollege Nico wunderbar in Worte zu fassen vermochte.

Zum Glück weiß man um die PLD inzwischen, weiß dass sie verfliegt, auch wenn sich die Woche nach dem Launch wie Kaugummi anfühlt. Man weiß, dass man jedes liebe Wort zur neuen Website tunlichst in sich aufsaugen sollte, bis die PLD kapituliert hat und man ein Schwamm der Glückseligkeit ist. Es hilft zugegebenermaßen auch, dass es wirklich Spaß macht, auf der neuen Seite zu surfen.

Das inoffizielle Motto, in Formvollendung gegossen durch den unglaublichen Nico Brünjes

Das inoffizielle Motto, in Formvollendung gegossen durch den unglaublichen Nico Brünjes

Am Ende ist es schon ein großes Gefühl zu wissen, dass man zusammen etwas gebaut hat, das Millionen Menschen nutzen, egal auf welchem Gerät sie ZEIT ONLINE gerade lesen. Das allerbeste ist jedoch, das alles mit so einem fantastischen Team gemeistert zu haben, welches ich jetzt noch viel lieber mag als vorher. Danke Leute, ihr rockt!

Endorphinflut

5 Uhr morgens in Beverly Blairsum

Entschuldigen Sie, ich hatte nur vier Stunden Schlaf, viele Getränke und einen Haufen gute Freunde. Da bin ich schonmal müde und aufgekratzt.

Mein Gehirn dümpelt halbschläfrig vor sich hin, und badet in einer Endorphinsuppe, zubereitet von einem wunderschönen Abend voller Gemütlichkeit, mit tollen Menschen, ausgelassenen Gesprächen und Spaziergängen im Morgengrauen.

Ein freundliches Gesicht /
Im Kreis der vertrauten, im schwachen Licht
– Kettcar »Ausgetrunken«

Solche Abende hat man viel zu selten. Könnte man jedes Wochenende gebrauchen. Einfach mal den Alltag aus dem Kopf waschen lassen von einer Endorphinflut. Würde dann aber nicht mehr funktionieren. Das Seltene macht es kostbar.

Gehört auch immer etwas Glück dazu. Irgendwann wird man müde, doch man will noch nicht aufhören, man ignoriert die Uhr, man labert & lört und auf einmal ist aus einem herzlichen Abend ein grandioser Morgen geworden, und nach einer kurzen Nacht wird daraus Butter für die Seele. Eine kostbare Erinnerung von der man noch lange zehren kann.

Nun sitze ich hier und schreibe und versuche das flüchtige Gefühl festzuhalten, und lächle vor mich hin.

Solche Spaziergänge im Morgengrauen

Nichts schlägt einen Chrononauten

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Im Zutatenschrank des modernen Comics steht Zeitreise prominent platziert neben Superkräfte, Außerirdischeninvasion und »Ha! Ich bin gar nicht tot!« Antagonisten-Auferstehung.

Was Zeitreise angeht, hat man also schon einiges gesehen. Comics sind dafür auch sicher das richtige Medium, und so ist Zeit hier besonders relativ.

Wenn Mark Millar sich dann also daran setzt, seine vierteilige Miniserie »Chrononauts« explizit von Zeitreise handeln zu lassen… da darf man gespannt sein.

Anfangs kommt alles noch sehr entspannt in Fahrt. Zwei Wissenschaftlern ist das Zeitreisen gelungen. Deswegen sind die beiden auch mehr so Rockstars denn Nerds. Bei der nächsten Zeitreise geht etwas schief… und dann geht die Story rich-tig steil. Fortan steht die Frage im Raum: Wenn du jederzeit überall hinreisen könntest – räumlich wie zeitlich – was würdest du anstellen?

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Natürlich geht sowas nicht auf Dauer gut,… klar. Doch wenn einem die Zeit zu Füßen liegt, dann ist »nicht auf Dauer« schon relativ lang. Ha! Überhaupt gönnt sich Millar einen erfrischenden Vollzugriff auf Zeit als Storymaterial, und geht auch nicht sonderlich zimperlich mit der Vergangenheit um. Weniger »wir dürfen nichts verändern« als vielmehr »Scheiß drauf! Rock’n’Roll!«. Letzteres durchaus im wörtlichen Sinne…

So lässt Millar unsere beiden Haudegen ganz süffisant durch die verschiedenen Epochen springen, um eine coole Idee nach der anderen zu zünden. Denn unsere Protagonisten lassen nichts anbrennen. Ganz großes Tennis das. Herrlich!

Das alles liest sich – Millar typisch – wie das Drehbuch für einen Film. Derweil tobt sich Sean Murphy in berauschenden Bildern aus, und illustriert die Zeit- und Epochenwechsel so geschmeidig, dass es eine helle Freude ist. Am Ende wird ein krachiges Finale serviert, und wir haben ein richtig tollen, erfrischend anderen Popcorn-Comic. It’s about time!

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Copyrights: Alle Bilder sind Ausschnitte aus dem ersten Band und © Image Comics

Constant Flux

University Hall

Often technology seems like a microcosmos consisting of flux as its main component. Technology has always been the driving force behind human progress, and progress obides change.

While working in the digital realm, everything seems moldable, changeable, inter-changeable. It’s a marvel of constant challenge and a great place to work. But at the same time, the product of our work in the digital is never done. It is released, but it’s never quite finished. There’s always something that can be tweaked, something that can be achieved more elegantly. If not now, then at least in a few weeks worth of time, when technology has changed and the new possbilities have arisen. It’s the challenge of flux.

When in need of a break from the digital world I like to pour myself a whisky, preferably a Scotch Single Malt. To call itself a Scotch, the whisky has to have matured at least three years – and nearly every Single Malt has matured for ten years or more. It always blows my mind what kind of craftmanship it takes to create a spirit that will mature for at least a decade. What a journey the work of a distiller takes until there’s a product to enjoy.

In technology, a decade means half an eternity. The things I create, the tools I use,… both may not work anymore ten years from now. Because it’s always in a state of flux, leaving behind the parts of technology that reveal themself to be a burden instead of a revelation.

The German Psychatrist Sigmund Freud described the human being as a Prothesengott, which translates to a god by means of prostheses. It means that technology is empowerment, and mankind excells in extending it’s possibilies through it. But like every prothesis, it always shows: it stings, it tickles – it keeps the wearer aware of its presence.

This sounds sort of… unpleasant. But I see the core value and goal of my discipline reflected in it: modern digital technology is still in its beginnings. We make tools to empower people around us and enrich their lives with it. But the tools are merely protheses – for now. It’s up to us to mature technology through our work, so it’s a pleasure to use and a frictionless part of everyday life. Until technology is a delight in every possible way – like a fine whisky.


I wrote this post over a year ago as a submission for the fantastic Offscreen Magazine by Kai Brach. However, it didn’t make it, so I’m posting it here.

Photo: University Hall Amsterdam

Schwung holen

bird-sunset

Häufig blubbert in mir so eine absurde Unruhe hoch, immer dann, wenn ich einfach mal abschalten will. Klar, nur weil ich gerade abschalten will heißt das ja nun nicht, dass ich gerade abschalten kann. Häufig will ich bewusst dann abschalten, wenn ich die Zeit nicht habe – so als Kontrapunkt: sich mal kurz für ’ne halbe Stunde oder ’nen Nachmittag rausnehmen.

Und genau dann, während meiner Abschaltversuche, brandet in mir so eine Hibbeligkeit auf. Statt klar zu wissen »Sooo, nun schalte ich ’nen Gang runter und mache das oder das… und vielleicht das« bin ich unangenehm unruhig.

Warum weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht deshalb, weil ich das Bisschen was ich mir an Zeit freigeschaufelt habe, gerne bestmöglich, produktiv, also halt irgendwie sinnvoll nutzen möchte. Idealerweise natürlich mit solchen Sachen, für die man sich versucht hat, Zeit freizuschaufeln.

Ist vielleicht ein Problem der modernen Gesellschaft: das fortwährende Bedürfnis sich und die Abläufe zu optimieren. Das hat zur Folge, dass man komische Reaktionen an den Tag legt, sobald man mal eine erkleckliche Menge an freier Zeit vor sich liegen hat – nicht zu verwechseln mit Freizeit, die man ja offiziell in Anspruch nimmt sobald man zu Hause ist.

Die freien Minuten – so selten sie eben sind – sollen dann halt auch fetzen. 30 Minuten auf der Couch, in denen man vor sich hin stiert, fühlen sich der kostbaren freien Momente nicht wirklich würdig an.

So luxuriös Langeweile auch sein mag: ich hadere mit ihr und mir in solchen Momenten. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit, und das frisst an mir.

All work and no play makes Jack a dull boy

Zeit ist bekanntermaßen unter allen Menschen gleich verteilt. Die persönlichen freien Minuten gehören einem ganz allein, so wie wenig anderes. Sie sind definitiv der falsche Zeitpunkt sich einen Kopf um deren Verwendung zu machen.

Vielmehr sollte man genau das ausnutzen, und an der eigenen Perspektive schrauben als auf den eigenen Schuldgefühlen rumzukauen. Mein Problem war wie so oft der eigene Anspruch, nicht die genügsame Realität.

Um den Anspruch einzunorden kann man das Couchen zur Kultur erklären. Man kann von Katzen lernen, weil von Katzen lernen heißt liegen lernen, wie Robert Gernhardt so treffend anmerkte. Man kann auch auf sich selbst vertrauen, dass die freien Minuten gerade am besten mit Nichtstun gefüllt werden können, weil es das ist, was man gerade braucht. Man kann auch auf seine »List der Dinge die ich mal bitte in meiner Freizeit mache« ganz oben »Locker bleiben« schreiben und direkt darunter ein »Nichtstun« in fett, kursiv, unterstrichen und mit Sternchen in Knallrot.

Man kann einen Haufen Dinge tun, die bewirken, dass man sich besser fühlt. Vor allem sollte man eines tun: man sollte geschmeidig bleiben und Schwung holen. Schwung holen für die Zeit nach den freien Minuten, für den Alltag, oder einfach für die nächsten paar freien Minuten.


Foto von Breno Machado, wie so oft gefunden auf UNSPLASH

Was Technologie will…

Rostender Gril

»Wo soll das nur hinführen?« Oder besser: »Wo kann das nur hinführen?« Diese Frage bezogen auf die Rolle von Technologie zermartert mir gerne das Hirn, seitdem ich meinen jugendlichen Leichtsinn abgelegt habe.

Vor allem geht es um die Rolle, die ich Technologie in meinem Leben eingestehen möchte. In meiner Jugend habe ich alles was aus einem Bildschirm kam nur so aufgesogen. Wenn noch ein paar Knöpfe dran waren: umso besser. Die dominierende Frage war: »Was kann Technologie noch alles tun?« Und damit wir uns nicht falsch verstehen, das Motto war dabei immer: Wer kann, der soll!

Heute hat Technologie für mich sehr viel von ihrer Allmacht, von ihrem Imperativ eingebüßt. Das Alter… seufz. Vieles was ich als wünschenswert oder sinnvoll erachten würde wird nicht gebaut, gemacht oder genutzt. Gleichzeitig wird ein nahezu sinnfreier Kampf um die Aufmerksamkeit und Inhalte des Benutzers geführt. Seien es nun Home Automation oder Notifications oder Fotoverwaltung: keines dieser Probleme wurde bisher so gelöst, dass es dezent, intelligent, zuverlässig oder skalierend seinen Dienst tut.

Man spricht hier gerne von leaky abstractions: der zugrundeliegende technologische Unterbau scheint immer durch. Notifications wollen in erster Linie gehört werden, und nicht dem Nutzer dezent und angemessen helfen. Home Automation funktioniert nur unter idealen Voraussetzungen und ist in jedem Mehrfamilienhaushalt dem guten alten Lichtschalter in Sachen Benutzbarkeit hoffnungslos unterlegen. Fotos kann man in den heutigen Zeiten am schönsten und sichersten auf eine Art und Weise verwahren: in Fotobüchern.

Das alles ist derzeit zwar immerhin beeindruckend, doch gleichzeitig nicht viel mehr. Technologie in unserem Leben fühlt sich an wie ein Teenager, der trotz großer Unsicherheit ganz dick aufträgt und sehr rumpelig daherkommt. Permanent aneckt. Mit seinen Kräften prahlt. Dem es an Erfahrung und Benimm fehlt. Der sich für den Größten hält, obwohl alle wissen: Du hast noch viel vor dir.

Wenn ich mir heute die Frage stelle, wohin die Reise mit Technologie geht, komme ich zu der Antwort: »In den Hintergrund!« Technologie ist so schnell so groß geworden. Alle haben gesehen was sie kann. Nun wird es allmählich Zeit, dass sie ihren platz in der Gesellschaft findet, dass sie aufhört sich in den Vordergrund zu drängen. Jetzt wird es Zeit, dass sie ein paar Manieren lernt.

iPhone 6

iPhone 6 - stacked

Oma Agathe saß traurig zu Haus
und seufzte und klagte tagein und tagaus.
Da hörte ein weiser Mann ihr Gejammer:
»Mein Haus ist ja bloß eine winzige Kammer!
Was soll ich bloß machen, es passt nichts hinein,
mein Haus ist zu eng und zu klein!«
– Zitat aus »Mein Haus ist zu eng und zu klein« von Axel Scheffler und Julia Donaldson

So beginnt eines der Kinderbücher meines Sohnes. Darin klagt Oma Agathe darüber, wie kompakt ihr Haus ist, und ein Rabbi gibt ihr den Rat, doch noch das Huhn, die Ziege, das Schwein und die Kuh mit ins Haus zu holen. Das Haus platzt aus allen Nähten und als die Tiere schlussendlich wieder raus sind, erkennt die Frau, dass ihr Haus genau die richtige Größe hat. Klassische Parabel über Wahrnehmung und so.

Kommen wir nun zu meinen iPhones. Mein iPhone 5s mochte ich zwar gerne, doch neidisch schielte ich auf die größeren Bildschirme der anderen Smartphones. »Mein Bildschirm ist zu eng und zu klein.«

Freudig krallte ich mir schließlich ein iPhone 6, doch klagte ich weiter seufzend vor mich hin, denn nun war das iPhone 6 dann doch ein wenig zu groß. Es passte gefühlt nicht mehr in jede Hosentasche, war immer etwas zu unhandlich. Bei aller Nettigkeit… irgendwie wurden wir zwei nicht so richtig warm.

6 Plus to the rescue

»Großes Smartphone? DAS ist ein großes Smartphone!«

»Großes Smartphone? DAS ist ein großes Smartphone!«

Wäre mein Leben nun eine Kindergeschichte gewesen, wäre ich lachend zum 5s zurückgekehrt und hätte glücklich bis an mein Lebensende…. Doch das hätte zuviel technischen Rückschritt bedeutet, denn die inneren Werte des 6er wussten ja durchaus zu überzeugen. Doch Halt! Die Moral von der Geschichte war ja: »Alles eine Frage der Perspektive. Die eigene Wahrnehmung ist nicht beratungsresistent, man muss sich nur den richtigen Vergleichsmaßstab heranziehen.«

Und so begab es sich, dass ich als kleine Leihgabe meines Arbeitgebers ein iPhone 6 Plus einem Feldtest unterziehen durfte.

iPhone 6 - side by side

Das richtig große iPhone fühlte sich anfangs komisch an: viel zu groß, viel zu schwer, mit einer Hand kaum bedienbar, und überhaupt alles in allem ein bisschen halbgar. Doch nach gut einer Woche war das gar nicht mehr so schlimm. Eher im Gegenteil: Der große Bildschirm entschädigt für vieles und macht wirklich derbe Spaß. Mails, Surfen, Videos – fantastisch. Selbst das Telefonieren ist nicht im Ansatz so dämlich, wie man sich das vorstellt.

Alles in allem: das iPhone 6 Plus ist ein extrem wertiges Smarterphone, Handhabung erstaunlich solide, kann man machen. Für mich nicht perfekt, weil ich zu Hause ein iPad rum(f)liegen habe. Trotzdem war ich angenehm überrascht: was für ein vielversprechendes Konzept.

Bring it back

»Hurra!«, ruft der Arne. »Ich will nicht mehr nörgeln und schrei‘n,
das 6er ist weder zu groß noch zu klein!«

Nun bin ich wieder beim iPhone 6. Wirklich groß kommt es mir nicht mehr vor. Das Experiment zur Wahrnehmungsmanipulation mit meinereiner als Versuchskanninchen war also ein voller Erfolg. Dadurch kann ich jetzt auch deutlicher meine Pros und Kontras herausarbeiten.

Stören tue ich mich an der hässlichsten Rückseite der iPhone Geschichte und dem »Handgefühl«. Die Rückseite weist eine so feine Aluminiumeloxierung auf, dass sie glatt ist – viel zu glatt für meinen Geschmack. Gepaart mit den abgerundeten Ecken und dem geringen Gewicht liegt das iPhone 6 nicht wirklich gut und satt in der meiner Hand, und lässt dadurch eine Wertigkeit an sich und Sicherheit in der Benutzung vermissen, die iPhones vor ihm, das iPhone 6 Plus und auch sonst alle Apple Produkte auszeichnen.

Bildschirmgröße und -qualität, Geschwindigkeit, Speicherplatz (64GB Modell) und Kamera sind hingegen über jeden Zweifel erhaben. Volle Zufriedenheit. Auch die Akkulaufzeit ist komfortabel.

Der Fiddeligkeit des iPhones steuere ich mit einem sehr dünnen, aber dafür angerauten Case von Ozaki entgegen. Vielleicht folgt irgendwann dann auch noch eine Lederhülle oder so… mal schauen. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit meinem Kauf.

iPhone 6 - close up

weiter, bitte

Focusing Fox by levi saunders found on unsplash

Mal offiziell scheitern. Letztes Jahr hatte ich ein paar – wie ich fand einfach zu befolgende – Ansagen formuliert. Nun ja… ich sag mal… da war ich wohl etwas vorschnell.

Resümee

2014 habe ich tatsächlich über »mehr innere Ruhe« verfügt. Ich habe ein paar Bücher in Richtung Meditation und so gelesen und mir thematisch doch halbwegs zu eigen gemacht. Mindfullness halte ich inzwischen für etwas durch und durch Erstrebenswertes, und ich habe durchaus Verstand und Gemüt in diese richtige Richtung getrieben, nur: gemeistert ist noch nichts. Das braucht seine Zeit, man verändert Gewohnheiten nicht über Nacht… oder über 365 Nächte.

Nun zu: »mehr machen, weniger hadern«. Weniger gehadert habe ich in der Tat. Das ging auch gut mit der Mindfullness einher. Mehr gemacht habe ich dennoch nicht. Es gab immer was zu tun, nur kam das immer von außen, und nicht aus mir heraus. Was nicht schlimm ist, obgleich nicht ganz das was mir vorschwebte als ich die Zeilen damals schrob.

»mehr Musik und mehr mentaler Weißraum«… bedeutungsschwangere Pause… kurz: Nein. Fuck! Dabei war das die mit Abstand einfachste Ansage. Unverzeihlich. Schämen, Herr Seemann.

Konnte ich hingegen 2014 mit »weniger Technologie“ auskommen? Da muss ich sagen: joar, schon irgendwie. Die Nutzung war schonmal obsessiver. Dieses Jahr war mir das Smartphone nicht so an die Hand gewachsen wie vormals, und allgemein war das Nutzungsverhalten etwas ausgewogener. Richtung Jahresende lag das Smartphone auch gerne einfach mal rum, fernab von seinem Herrchen. Da bin ich zufrieden mit mir.

Voran!

2015 fordern die United States of Arne von sich selbst:

mehr Comics

Soviel Freude und Zerstreuung haben die mir zuletzt beschert, da muss ich dranbleiben. Diese Leidenschaft ist bei weitem nix neues, doch 2014 haben mich einige Comics so richtig derbe weggeflasht. Das soll bitte 2015 auch wieder so sein.

ein neues Hobby

Mein Job, das Digitale, das »im eigenen Kopf unterwegs sein«, das braucht einen Gegensatz. Ich sollte, nein eigentlich muss ich, mit was handwerklichen anfangen. Zur Abwechslung den Fingern eine Aufgabe geben, statt dem Kopf.

Mindfulness Galore

Mindfulness war das Kernthema 2014. Das will ich fortführen. Im Prinzip waren alle Ansagen des letzten Jahres eigentlich nur ein Ausdruck des Wunsches nach mehr Mindfulness. Das weiß ich jetzt, und deshalb konzentriere ich mich hier mal direkt auf’s Wesentliche. Mehr Achtsamkeit, mehr innere Ruhe, mehr Gleichgewicht und mehr genießen was man hat.

… und zwölf Mal in diesem Jahr bloggen. Ja, ich weiß. Bitte nicht lachen.


Foto von Levi Saunders, gefunden über UNSPLASH